Erteka :
Es wirft grundlegende Fragen auf, wenn Geschäftsführerinnen und Geschäftsführer privater Pflegeunternehmen Vermögen in Millionenhöhe anhäufen, während Pflegekräfte am Existenzminimum arbeiten. Und das, obwohl ihre Tätigkeit zu den gesellschaftlich elementarsten gehört.
Die oft vorgebrachte Argumentation, Pflege müsse günstig bleiben, weil sie auch familiär erbracht werden könne, ist unter diesem Blickwinkel nicht nur zynisch, sondern auch ökonomisch inkonsequent. Wenn tatsächlich gespart werden muss, warum geschieht das fast ausschließlich bei jenen, die den Kern der Arbeit leisten?
Dieser Widerspruch zeigt, dass es sich nicht um ein unausweichliches Ergebnis ökonomischer Sachzwänge handelt. Vielmehr liegt ein strukturelles Problem vor, das durch politische Rahmenbedingungen und eine marktzentrierte Logik nicht nur ermöglicht, sondern aktiv aufrechterhalten wird.
Dass in der Pflegebranche überhaupt Gewinne erwirtschaftet werden können, liegt nicht an innovativer Leistung. Es liegt daran, dass die Arbeit systematisch entwertet und unterfinanziert wird. Die Rendite entsteht nicht durch Effizienz, sondern durch die dauerhafte Unterbezahlung der Beschäftigten.
Hier wird ein Narrativ gepflegt, das niedrige Löhne als unvermeidlich darstellt. Gleichzeitig werden hohe Gewinne und Boni ausgeschüttet. Das ist nicht nur ethisch fragwürdig, sondern entlarvt die tief verankerte soziale Ungleichheit im Pflegesystem.
Besonders problematisch wird es, wenn dann auch noch behauptet wird, man dürfe die Privatwirtschaft nicht stärker besteuern, weil sonst keine höheren Löhne möglich seien. Diese Vorstellung beruht auf dem längst widerlegten Trickle-Down-Prinzip, also der Annahme, dass Wohlstand nach unten durchsickert, wenn man ihn nur oben konzentriert.
In der Realität sickert aber nichts. Gewinne werden abgeschöpft und gebunkert. Löhne steigen nur, wenn es politischen Druck, gesetzliche Vorgaben oder starke Tarifverträge gibt. Nicht durch die freiwillige Großzügigkeit von Vorständen. Alles andere ist Schönfärberei und schützt nur die Profite jener, die von der Ausbeutung in der Pflege leben.
2025-06-30 16:05:59