Andy.Netz :
Um es noch einmal vorab zu sagen, bevor ich zum weiteren Punkt komme: Der Mindestlohn ist dafür da, dass jemand, der grob 176 Stunden im Monat arbeitet, einen Verdienst netto hat, der an der Armutsgrenze liegt.
Jetzt kommen wir zu dem Punkt, über den immer alle sprechen. Es könnte, und zwar nur in den Bereichen, wo extrem viele Mindestlohn-Beschäftigte sind – sagen wir einfach mal Gastronomie – dazu führen, dass es kleine Preisanpassungen geben kann. Diese haben jedoch in den letzten Jahren nie maßgeblich dazu beigetragen, dass die Inflation steigt.
Jetzt komme ich zum Video. Dort gibt es eine Erklärung zum Lohngefüge, und mit diesen Zahlen wird versucht, die Kaufkraft zu erklären, was aber falsch ist. Die Kaufkraft des Mindestlohnempfängers ist gestiegen, während die der anderen gleich geblieben ist. Also hat der Ingenieur immer noch seine 4000 € netto, und die Putzfrau hat 250 € mehr als vorher. Sie hat ein Kaufkraftgewinn, er keinen Verlust. Er hat auch keinen Verlust, wenn auf einmal die Metallindustrie eine Lohnerhöhung von 6,5 % durchsetzt. Dann haben die Metallarbeiter mehr Kaufkraft, und er hat immer noch die gleichen 4000 € netto. Kommt es zu einer Inflation, würden alle an Kaufkraft verlieren, nicht nur der Ingenieur mit seinen 4000 € netto.
Einen Kaufkraftverlust macht man nicht an einem Preis fest, sondern am gesamten – also wenn viele Preise steigen, könnte es zu einer Inflation kommen. Es sagt ja auch niemand, man habe einen Kaufkraftgewinn, nur weil der Bäcker an der Ecke jetzt den Kaffee nicht mehr für 2,50 € sondern auf einmal für 2 € verkauft.
2025-09-10 19:09:00