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Die SPD erwägt das Renteneintrittsalter zu erhöhen und die Arbeitnehmer nicht mehr früher in Rente gehen zu lassen. Das wird sie noch mehr Wähler kosten und in die Arme der AfD treiben. Eine Erhöhung des Renteneintrittsalters setzt voraus, dass ältere Arbeitnehmer realistische Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben. Das ist nicht der Fall. Unternehmen stellen Menschen ab 60 selten ein. Wer in diesem Alter arbeitslos wird, kehrt kaum in stabile Beschäftigung zurück. Ein höheres Rentenalter führt daher nicht zu mehr Beitragszahlern, sondern zu mehr Langzeitarbeitslosigkeit, Frühverrentung mit Abschlägen und höherem Risiko der Altersarmut. Die Last wird auf Betroffene und Sozialkassen verschoben, ohne dass das Rentensystem stabiler wird.
Damit ein höheres Renteneintrittsalter funktioniert, muss gleichzeitig die Produktion gesteigert werden. Deswegen müssen Arbeitgeber ebenso in die Pflicht genommen werden. Konkret: Der Staat sollte vorschreiben, wie viele Menschen über 60 ein Unternehmen mindestens beschäftigen muss, abhängig von der Gesamtzahl der Mitarbeiter und der Altersstruktur in der Gesellschaft. Unternehmen, die zu wenige ältere Arbeitnehmer beschäftigen, müssen entweder aktiv einstellen oder einen finanziellen Ausgleich in die Rentenkasse zahlen. Ohne eine solche Regelung zahlen am Ende nur die Arbeitnehmer den Preis für eine Reform, während Unternehmen keine Verantwortung tragen müssen. Das wäre ungerecht gegenüber jenen, die das System jahrzehntelang finanziert haben, und würde politischen Extrempositionen Auftrieb geben.
Das grundlegende Problem liegt jedoch nicht im Rentenalter selbst, sondern in niedrigen Löhnen, prekärer Beschäftigung und fehlenden Beitragszahlern. Wer das System nachhaltig stabilisieren will, muss die strukturellen Ursachen angehen. Ein zusätzlicher Ansatz wäre die Einbeziehung aller Berufsgruppen in die gesetzliche Rentenversicherung, auch Beamte, Politiker und Selbständige. Es ist schwer vermittelbar, dass Steuerzahler neben ihrer eigenen Rente zusätzlich Pensionen finanzieren, für die keine Beiträge geleistet werden. Im Durchschnitt kostet jeder Pensionär den Staat fast zehnmal so viel wie ein Rentner.
2026-04-08 11:20:53