@matthias.silberhain: Deutschland hatte zwischen 1884 und 1919 Kolonien in Afrika, im Pazifik und in Asien. Deutsch-Südwestafrika, Deutsch-Ostafrika, Kamerun, Togo, Deutsch-Neuguinea, die Marshallinseln und weitere Gebiete standen unter deutscher Herrschaft. Das war kein Hilfsprogramm. Das war koloniale Ausbeutung nach dem Muster aller europäischen Kolonialmächte dieser Zeit: Land enteignen, Rohstoffe abschöpfen, Widerstand gewaltsam brechen. Der brutalste und am besten dokumentierte Fall ist Deutsch-Südwestafrika, das heutige Namibia. Zwischen 1904 und 1908 erhoben sich die Herero und die Nama gegen die deutsche Kolonialherrschaft. Die deutsche Reaktion war kein Militäreinsatz zur Wiederherstellung der Ordnung. Es war ein systematischer Vernichtungsfeldzug. General Lothar von Trotha erließ am 2. Oktober 1904 den sogenannten Vernichtungsbefehl. Der Wortlaut ist überliefert und eindeutig. Er befahl, jeden Herero innerhalb der deutschen Grenzen zu erschießen, ob bewaffnet oder unbewaffnet, mit oder ohne Vieh. Frauen und Kinder wurden in die Wüste Omaheke getrieben. Wasserstellen wurden vergiftet oder bewacht, um die Flucht in den Tod zu verwandeln. Wer zurückkam, wurde erschossen oder in Konzentrationslager gesperrt, darunter die Haifischinsel vor Lüderitz, wo die Sterblichkeitsrate bei über 70 Prozent lag. Die Zahlen sind erdrückend. Vor dem Aufstand zählte das Volk der Herero schätzungsweise 80.000 Menschen. Danach waren es weniger als 15.000. Das ist eine Vernichtungsrate von über 80 Prozent. Die Nama verloren etwa die Hälfte ihrer Bevölkerung. Deutschland hat diesen Vorgang 2021 offiziell als Völkermord anerkannt, nach jahrzehntelangem politischen Widerstand. Wer behauptet, die Deutschen hätten den Menschen damals geholfen, muss erklären, wem dieser Vernichtungsbefehl geholfen hat. Wem die Konzentrationslager geholfen haben. Wem die systematische Enteignung von Land und Vieh geholfen hat, die den Herero schon vor dem Aufstand die wirtschaftliche Grundlage entzog. Der Mythos der zivilisierenden Mission war die ideologische Verpackung des Kolonialismus in ganz Europa. Sie diente nicht der Entwicklung der kolonisierten Bevölkerungen, sondern der Legitimation von Ausbeutung und Gewalt. Das Kaiserreich baute in seinen Kolonien Eisenbahnen, ja, aber nicht für die einheimische Bevölkerung, sondern für den Abtransport von Rohstoffen und für die militärische Kontrolle des Territoriums. Wer die Kolonialzeit heute als Hilfsprojekt darstellt, betreibt keine alternative Geschichtsinterpretation. Er leugnet dokumentierte historische Tatsachen, die in deutschen Reichsarchiven, in Militärberichten, in zeitgenössischen Fotografien und in den Überlebensberichten der Betroffenen festgehalten sind. Das ist keine Meinung. Das ist Geschichtsfälschung. Und es ist kein Zufall, welche politischen Milieus heute diese Erzählung verbreiten. Wer das Kaiserreich verherrlicht, wer den deutschen Staat in seiner heutigen Form ablehnt und eine imaginäre Vorkriegsordnung zurückwill, der braucht eine saubere Version dieser Zeit. Die gibt es nicht. Sie hat es nie gegeben. QUELLEN: Bundesregierung, Gemeinsame Erklärung Deutschland/Namibia, 28. Mai 2021 Vernichtungsbefehl Lothar von Trotha, 2. Oktober 1904, Bundesarchiv Freiburg, RH 61/5023 Jürgen Zimmerer, “Von Windhuk nach Auschwitz”, LIT Verlag 2011 Joachim Zeller / Jürgen Zimmerer (Hg.), “Völkermord in Deutsch-Südwestafrika”, Ch. Links Verlag 2003 Isabel V. Hull, “Absolute Destruction”, Cornell University Press 2005

MATTHIAS SILBERHAIN
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Sunday 14 June 2026 20:01:17 GMT
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gerd.ebermann
G.E :
Und was haben die Briten und Spanier in den Kolonien getrieben?
2026-06-14 21:09:23
0
gegennzs
liesbeth.👅🌈🫂🏳️‍🌈161 :
Und ganz wichtig ist dem Ewigen Bund, dass da heute noch gute erhaltene Häuser mit der preußischen Wertarbeit stehen! 😵‍💫
2026-06-14 20:09:39
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