Oswin :
Rahim Taghizadegan
Wirtschaft wirklich verstehen: Einführung in die österreichische Schule der Ökonomie
Auszug:
Die Vorstellung, bei den Reichen gäbe es noch unerschöpfliche Summen zu holen, stellt eine populistische Täuschung dar. Stets haben Staaten in Geldnot Steuern dadurch legitimiert, dass diese bloß die Reichen treffen sollten – und das sind natürlich immer die anderen. Doch die begehrten Mittel aus der Reichenbesteuerung erweisen sich als illusorisch. Einerseits werden gerne fiktive Marktpreise für gebundene Vermögenswerte mit frei verfügbarem Geld verwechselt. Die Statistiker weisen dann riesige gehortete Vermögen aus, die große Begehrlichkeiten wecken. Tatsächlich ist der größte Teil gebunden, etwa in Betrieben oder Immobilien. Wollte man diese Vermögenswerte »abschöpfen«, wie es der Euphemismus der Gier ausdrückt, würden sie sich augenblicklich in Luft auflösen. Man müsste dazu nämlich die vermeintlichen Werte auf den Markt werfen, wodurch die Preise sofort in den Keller fallen würden. Wenn die Neider nun frech meinen, sie würden durchaus auch auf Bargeld verzichten, weil ein schönes Schloss es auch täte, so zeugt das nicht von wesentlich mehr ökonomischem Verstand. Die größten dieser vermeintlichen Vermögenswerte sind tatsächlich Passivposten, die hohe Aufwendungen erfordern. Geld kann man nicht essen und alte Gemäuer schon gar nicht. Was die Neider eigentlich wünschen, ist ein Realeinkommen, mit dem sie nach Belieben Güter und Dienstleistungen für den Konsum erwerben können. Doch ein reales Einkommen fällt nur auf der Grundlage einer intakten Kapitalstruktur ab. Kapital kann man nicht beliebig zerteilen, verteilen und zuteilen. Wirtschaft weist eine filigrane Struktur auf, deren wichtigste Ressource Wissen ist. Wirtschaft ist kein All-you-can-eat-Buffet, das sich von selbst füllt.
2026-06-20 18:41:58