sanny :
Mein Anker im Leben – und warum die Arbeitswelt davon lernen mussMeine Frau und ich sind seit 40 Jahren verheiratet. Wir haben beide unsere Krankheiten, die Jugend ist vorbei, und natürlich läuft nicht mehr alles wie mit 20. Wir reiben uns mal, aber wir haben uns nie im Stich gelassen. Sie ist mein erster Gedanke nach Feierabend, mein absolut sicherer Anker im Leben. Für mich käme eine Scheidung nie infrage, denn wahre Loyalität bedeutet, auch in den schweren Phasen des Lebens zueinanderzustehen und den Wert der gemeinsamen Jahre zu schätzen.Und genau deshalb macht mich wütend, was ich tagtäglich in unserer Arbeitswelt beobachte.Dort gilt diese Loyalität nämlich oft nur als Einbahnstraße. Wenn ein Mitarbeiter nach 25 oder 30 Jahren im Betrieb gesundheitlich abbaut, das Alter spürt oder krank wird, zeigen viele Arbeitgeber ihm eiskalt die rote Karte. Als man jung war, hat man seine Knochen für die Firma hingehalten, Überstunden geschoben und den Laden mit aufgebaut. Doch statt Krisen gemeinsam durchzustehen und Aufgaben an das Alter anzupassen, wird der treue Partner der ersten Stunde oft wie ein verschlissenes Werkzeug gegen ein neueres Modell ausgetauscht.Wir müssen aufhören, Menschen in Unternehmen nur noch nach ihrer aktuellen Leistungskurve zu bewerten. Eine gesunde Gesellschaft braucht wieder mehr von dem, was eine gute Ehe ausmacht: echte Treue, Respekt vor Lebensleistung und den Anstand, jemanden gerade dann nicht fallenzulassen, wenn es mal schwer wird.
2026-07-07 19:36:37