IceBoxx :
Was heute durchkam ist die Chatkontrolle 1.0. Diese scannt „nur“ unverschlüsselte Inhalte beim Anbieter also wie bei Gmail, iCloud-Mails, Instagram, oder Snapchat DM‘s, Cloud Speicher usw. Ende zu Ende verschlüsselte Messenger wie Signal, Threema und WhatsApp bleiben ausdrücklich außen vor. Wenn man nämlich irgendwo „Client-Side-Scanning“ liest, also ein Scanner direkt auf deinem Gerät bevor überhaupt irgendetwas verschlüsselt wird, dann ist von Chatkontrolle 2.0 die Rede. Die ist unbefristet und verpflichtend, und darüber wird erst noch verhandelt. Aber die 2028er Regelung und die Chatkontrolle 1.0 sind nicht das Ende, sondern meiner Meinung nach die Brücke bis die dauerhafte, verpflichtende Version steht.
Mal ganz abgesehen davon, ob die Chatkontrolle überhaupt wirkungsvoll ist. In den eigenen Durchführungsbericht der EU-Kommission hat allein Microsoft 2022 über 12 Milliarden Inhalte gescannt und selbst großzügig gerechnet war davon nur ein verschwindend kleiner Bruchteil tatsächlich Missbrauchsmaterial. Jetzt könnte man meinen, dass dennoch Kinder gerettet wurden, oder? Die Kommission listet zwar Verurteilungen auf, schreibt im selben Bericht aber wörtlich, dass sie einen klaren Zusammenhang zwischen dem anlasslosen Scannen und diesen Verurteilungen mit den vorliegenden Daten nicht herstellen kann. Übrig bleibt also eine anlasslose Massenüberwachung von Millionen Menschen, deren Wirksamkeit die zuständige Behörde selbst nicht nachweisen kann.
2026-07-09 19:28:03