miezemau13 :
Es tut sehr gut, das zu hören. Mama und ich sind zu zweit in dieses Land gekommen und sie hatte keine Sprache, aber brauchte schnell Arbeit: Putzen. Das geht auch wortlos. „Du lernst im Kindergarten Deutsch und bringst es mir abends bei. Ich arbeite für uns und du lernst für uns.“ Ich hab sie kaum gesehen. So vergingen die Jahre. Eine Kindheit ohne Mama, eine Mama ohne Kind. Immer, wenn ich sie zu doll vermisst habe, bin mitgegangen, um wenigstens in ihrer Nähe sein zu können. Sie wollte nie, dass ich mithelfe oder zugucke. Ich sollte mich einfach leise irgendwo hinsetzen und niemanden stören. Also saß ich da. Habe gemalt. Oft gehört, wie sie über meine Mama geredet haben. Diese Leute dachten wirklich, dass die Tochter einer Putzfrau ohne Sprache auch ein Kind ohne Sprache sein muss. Ich habe alles verstanden. Ich konnte ihre Sprache längst. Aber es hat mich sprachlos gemacht, wie sie über meine Mama gesprochen haben. Zum Glück versteht Mama das meiste nicht. Aber andererseits müsste sie diese Arbeit vielleicht nicht mehr machen, wenn sie die Sprache könnte, dachte ich. Ich hätte ihnen am liebsten gesagt, dass wir in unserer Heimat ein Haus hatten, das doppelt so groß war, wie dieses. Dass meine Mama dort in einem Ministerium gearbeitet hat. Dass wir auch Haushaltshilfen hatten, die bei uns im Haus gewohnt, mit uns am selben Tisch das selbe Essen gegessen haben, das meine Mama manchmal mit ihnen zusammen gekocht hat. Dass sie dabei gerne Platten aufgelegt hat. Wenn die Musik und das laute Gegacker durchs Haus schallten, wusste ich, „heute kocht Mama mit“. Wenn der Duft des Essens es bis in mein Zimmer im oberen Stock geschafft hatte, wusste ich auch, was sie gekocht hatte. Dass meine Mama nicht die beste Köchin, aber dafür die fröhlichste Mama der Welt war. Dass ich nicht unser schönes Haus vermisse, sondern die Frau, die meine Mama in diesem Haus war. Dass sie nie wieder so über sie reden sollen. All das wollte ich sagen. Aber ich konnte nicht. Damit meine Mama das alles nicht mitbekommt. Stattdessen habe ich vom Malbuch hochgeguckt und „Entschuldigen Sie, darf ich bitte auf die Toilette gehen?“ gefragt. Sie haben sie nie wieder angerufen. Mama ❤️
2026-08-08 03:26:09