Steverengo :
Dann sagt sie doch im Grunde nichts Gegenteiliges. Und Sie als Schulmediziner bestätigen bzw. dokumentieren sogar, dass solche Effekte möglich sind. Warum also diese Reaktion auf das Video?
Sie selbst sagt doch, dass diese Methode nicht bei jedem und nicht für alles funktioniert. Am Ende sagt sie sinngemäß sogar: Ich weiß nicht, ob das auf dich zutrifft. Wo genau ist also das Problem?
Die viel interessantere Frage wäre doch: Warum erfahren Patienten so wenig über solche Möglichkeiten? Wenn ein Hüft- oder Kniegelenk stark geschädigt ist, kennt jeder den klassischen Weg: Operation, künstliches Gelenk, Prothese. Aber warum wird über regenerative Verfahren mit körpereigenen Zellen und deren tatsächliche Möglichkeiten und Grenzen nicht genauso verständlich aufgeklärt? Warum müssen Menschen darüber über Studien, Spezialkliniken oder sogar simple TikTok-Videos stolpern?
Warum stellt sich die Ärzteschaft nicht viel offensiver hin und erklärt: Das kann funktionieren, hier ist die Evidenz, hier sind die Grenzen, für diese Patienten kommt es infrage und für diese nicht?
Genau diese Transparenz würde Vertrauen schaffen. Denn sonst entsteht zwangsläufig der Eindruck, dass bestimmte Therapiepfade bevorzugt werden – und dann kommt eben auch die Frage auf, ob etablierte Verfahren möglicherweise wirtschaftlich attraktiver sind.
Ähnlich erlebe ich es beim Thema Insulinresistenz. Warum wird nicht viel früher angesetzt, wenn sich bereits Stoffwechselveränderungen zeigen? Warum wartet man teilweise, bis Prädiabetes oder Typ-2-Diabetes praktisch vor der Tür stehen, anstatt frühzeitig und konsequent gegenzusteuern?
Ich behaupte ausdrücklich nicht, dass jeder Arzt so handelt. Aber genau solche Fragen müssen beantwortet werden. Denn Patienten brauchen keine Lagerkämpfe zwischen „Schulmedizin“ und „Alternativmedizin“, sondern ehrliche Informationen über alle wissenschaftlich vertretbaren Möglichkeiten – einschließlich ihrer Chancen, Risiken und Grenzen.
2026-08-10 11:41:59