Franz :
Ich komme immer wieder an denselben Punkt: Ich gebe zu viel und bekomme zu wenig zurück. Ich schenke Menschen mein Vertrauen, meine Zeit, meine Aufmerksamkeit und mein Herz – oft ohne etwas dafür zu erwarten. Doch irgendwann merkt man, dass Geben ohne Gegenseitigkeit müde macht.
Vielleicht ist genau das mein größtes Problem: Ich habe ein gutes Herz in einer Welt, in der viele Menschen gelernt haben, vor allem auf sich selbst zu schauen. Die Lauten, die Prahlerischen, die Egoisten werden oft bewundert und angehimmelt, während die stillen, ehrlichen und aufrichtigen Menschen kaum gesehen werden.
Manchmal frage ich mich, welchen Wert ein guter Mensch in der heutigen Zeit überhaupt noch hat. Denn wer ehrlich fühlt, wird oft verletzt. Wer vertraut, wird enttäuscht. Wer immer für andere da ist, wird irgendwann selbst vergessen.
Und so bin ich einsam geworden. Nicht, weil ich keine Menschen um mich haben möchte, sondern weil ich zu oft erfahren musste, dass Nähe nicht automatisch bedeutet, dass jemand wirklich bleibt. Ich habe so oft gegeben, so oft verziehen und so oft an das Gute im Menschen geglaubt – und wurde dafür verletzt.
Vielleicht ist ein gutes Herz manchmal ein einsamer Ort. Aber ich möchte nicht zu einem Menschen werden, der kalt, egoistisch oder gefühllos ist, nur weil andere mein Herz nicht zu schätzen wussten.
Ich werde weiterhin ein Mensch mit Gefühl bleiben. Nur werde ich irgendwann lernen müssen, nicht jedem mein ganzes Herz zu schenken. Denn auch ein guter Mensch darf Grenzen haben. Auch ein Mensch, der immer gibt, darf erwarten, dass irgendwann jemand kommt, der nicht nur nimmt, sondern auch bleibt und zurückgibt.
2026-08-16 18:59:45