Rembo Trupik :
Der Diskurs über die Kosten der Energiewende übersieht oft die entscheidende Frage: Was ist die Alternative? Wer behauptet, der Verzicht auf die Energiewende wäre billiger, vergleicht die realen Investitionskosten eines Systemumbaus mit einer rein theoretischen, kostenlosen Welt, die es in der Realität schlicht nicht gibt.
Finanziell lässt sich die Lage in drei klaren Punkten zusammenfassen:
Erstens sind Sonne und Wind nach allen aktuellen Daten der führenden Wirtschaftsforschungsinstitute (wie dem Fraunhofer ISE) heute im Neubau die mit Abstand günstigsten Formen der Stromerzeugung. Ihre Brennstoffkosten liegen dauerhaft bei exakt null Euro. Ein Weiterbetrieb oder gar Neubau fossiler Kraftwerke oder Atommeiler würde bedeuten, sich auf Jahrzehnte an extrem teure Brennstoffimporte, unkalkulierbare Rohstoffpreise an den Weltmärkten und steigende CO2-Abgaben zu kette. Die Investitionen fließen stattdessen in heimische Wertschöpfung und Technologie, statt als Milliardenbeträge für Öl und Gas ins Ausland abzufließen.
Zweitens sind die Kosten der Nicht-Transformation astronomisch hoch. Wer den Ausbau bremst, zahlt doppelt: einmal durch die Beseitigung und Abfederung massiver Klimaschäden, die die Volkswirtschaften direkt belasten, und einmal durch den Verlust der globalen Wettbewerbsfähigkeit. Industriestaaten wie die USA oder China investieren dreistellige Billionenbeträge in grüne Technologien. Würde ein Industriestandort wie Deutschland auf veraltete Technologiestränge setzen, verliert er im globalen Markt schlicht den Anschluss.
Drittens ist die Übergangsphase mit Netzausbau und Speichersystemen unbestritten teuer und erfordert gigantische Kapitalmengen. Das ist jedoch keine „Geldverbrennung“, sondern eine klassische Infrastrukturinvestition – vergleichbar mit dem Aufbau des Eisenbahnnetzes oder der Industrialisierung im 19. Jahrhundert. Sobald die Erstinvestitionen in Netze, Speicher und Erzeuger getätigt sind, profitiert die Wirtschaft von einem hochgradig effizienten, unabhändigen und langfristig kalkulierbaren Energiesystem.
Die Energiewende kostet viel Geld – keine Energiewende zu machen, ist volkswirtschaftlich auf Dauer unbezahlbar.
2026-08-21 21:12:26