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Wenn man sich Netanjahus heutige Politik anschaut, lohnt sich auch ein Blick zurück. Bereits in den 1990er Jahren gehörte Netanjahu zu den entschiedensten Gegnern des Oslo-Friedensprozesses von Jitzchak Rabin. Rabin wollte einen politischen Ausgleich mit den Palästinensern erreichen. 1995 wurde er von dem rechtsextremen Jigal Amir ermordet, der genau diesen Friedensprozess verhindern wollte. Dass Netanjahu den Mord in Auftrag gegeben habe, ist nicht bewiesen und das sollte man auch nicht als Tatsache behaupten. Aber das politische Klima jener Zeit und Netanjahus kompromisslose Opposition gegen Rabins Friedenskurs gehören für mich zur historischen Einordnung seiner heutigen Politik. Denn auch heute erleben wir einen Netanjahu, der Konflikte nicht nur mit den Palästinensern austrägt, sondern die Konfrontation mit immer weiteren Akteuren in der Region sucht bzw. verschärft. Besonders besorgniserregend finde ich inzwischen die Entwicklung gegenüber der Türkei. Israel hat gerade einen syrischen Militärflugplatz bombardiert und den Angriff ausdrücklich mit einer möglichen türkischen Militärpräsenz begründet. Gleichzeitig versucht er, Washington davon zu überzeugen, die militärische Stärkung der Türkei, immerhin ein NATO-Mitglied, zu begrenzen. Man muss Erdoğan und seine Politik nicht unkritisch sehen, um sich zu fragen, wohin soll diese immer weitere Eskalation eigentlich führen. Für mich zieht sich eine Frage durch Netanjahus politische Geschichte, geht es tatsächlich darum, langfristig Frieden und Sicherheit für Israel zu schaffen oder wird Sicherheit zunehmend durch permanente Konfrontation und militärische Dominanz definiert? Gerade angesichts der Geschichte Rabins finde ich diese Frage heute wichtiger denn je.
2026-08-23 16:49:34