Sylvio Hartwig :
Natürlich hat der „Ossi“ gelernt, mit weniger auszukommen, bescheiden zu sein und zu improvisieren. Man musste nicht alles neu kaufen, nicht jedem Trend hinterherlaufen und wusste oft sehr genau, wie man aus wenig viel machen kann. Das war nicht immer schön, aber es hat viele Menschen geprägt.
Umso mehr nervt es mich, dass wir nach Jahrzehnten der Wiedervereinigung noch immer ständig in Ost und West eingeteilt werden. Die Mauer ist weg, aber in manchen Köpfen scheint sie fest einzementiert zu sein.
Solange über „die Ostdeutschen“ gesprochen wird, als wären sie eine eigene Spezies, und solange ihnen immer wieder erklärt wird, wie sie ihre Vergangenheit zu sehen, politisch zu denken oder zu wählen haben, wird diese Spaltung nicht verschwinden.
Man sollte dabei auch nicht vergessen: Wir sind die letzte Generation, die die DDR noch wirklich selbst erlebt hat – mit ihrem Alltag, ihren Einschränkungen, ihren Widersprüchen, aber auch mit den Erfahrungen, die man nicht aus Büchern lernen kann. Wenn diese Generation irgendwann nicht mehr da ist, bleibt nur noch das, was andere über diese Zeit erzählen.
Gerade deshalb sollte man unsere Erfahrungen weder verklären noch kleinreden, sondern ernst nehmen und bewahren.
Deutschland braucht keine neue Mauer aus Vorurteilen, Belehrungen und Schubladendenken.
Wir sind nicht Ossis und Wessis. Wir sind Deutsche. Punkt.
2026-08-28 08:51:43