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Wilhelm II. dankte am 9. November 1918 als deutscher Kaiser und König von Preußen ab und floh noch am selben Tag über die Grenze in die neutralen Niederlande. Die Königin Wilhelmina gewährte ihm Asyl, obwohl mehrere Siegermächte seine Auslieferung und einen Prozess wegen des Kriegs forderten. Anderthalb Jahre später kaufte er das Landhaus Huis Doorn bei Utrecht und lebte dort bis zu seinem Tod 1941, mit einem großen Hofstaat, seinem gesamten Vermögen und einem Großteil seiner Uniformen und Orden, die er beim Abdanken mitnehmen durfte. Sein Alltag in Doorn bestand aus Ritualen, die ihm den Ruf eines liebenswerten alten Herrn einbrachten. Er hackte fast täglich Holz, eine Beschäftigung, die er zur regelrechten Obsession machte. Sein Adjutant Sigurd von Ilsemann protokollierte über zwanzig Jahre lang genau, wie viele Stämme der Ex-Kaiser gefällt und gesägt hatte, weil Wilhelm ständig versuchte, seinen eigenen Rekord zu brechen. Das geschlagene Holz verteilte er an die Dorfbevölkerung und finanzierte Armenspeisungen, wodurch er sich in Doorn tatsächlich Sympathien erarbeitete. Dazu kamen Spaziergänge mit seiner zweiten Frau Hermine, das Füttern der Enten im Schlossgraben und das Sammeln von Wetterdaten. Ein beschauliches, sorgenfreies Leben eines wohlhabenden Privatiers. Während Wilhelm in seinem Park Enten fütterte, sah die Realität in Deutschland vollkommen anders aus. Rund zwei Millionen deutsche Soldaten waren im von ihm mitzuverantwortenden Krieg gefallen, hinzu kamen hunderttausende Kriegswitwen und Waisen. Der Versailler Vertrag verpflichtete das Land zu Reparationszahlungen, die die junge Weimarer Republik von Beginn an lähmten. 1923 vernichtete die Hyperinflation die Ersparnisse fast der gesamten deutschen Mittelschicht, während der Ex-Kaiser in Doorn wohlhabend blieb, umgeben von Personal, das ihn weiterhin mit Majestät ansprach und sich vor ihm verneigte. Wilhelm selbst zeigte in dieser Zeit keinerlei Bereitschaft, Verantwortung für den Krieg zu übernehmen, sondern pflegte in seinen Aufzeichnungen aus dem Exil ein Bild, in dem andere an seiner Niederlage schuld waren. Politisch blieb er auch im Exil nicht inaktiv. Über seine Frau Hermine, eine überzeugte Anhängerin des Nationalsozialismus, suchte er noch vor 1933 Kontakt zu den Nazis, in der Hoffnung auf eine Wiedereinsetzung der Monarchie mit sich selbst als Kaiser. Hermann Göring besuchte Doorn 1931 und erneut 1932, und die Hohenzollernfamilie erhielt später eine erhebliche jährliche Zuwendung des NS-Regimes, im Gegenzug für die Zusage, öffentliche Kritik an Hitler zu unterlassen. Als deutsche Truppen 1940 die Niederlande besetzten, bot ihm Winston Churchill Asyl in Großbritannien an. Wilhelm lehnte ab, er wolle lieber in Holland erschossen werden als nach England zu fliehen. Als kurz darauf Frankreich kapitulierte, gehörte er zu den Ersten, die Hitler gratulierten, mit einem Telegramm aus Doorn, in dem er den von Gott geschenkten gewaltigen Sieg mit den Worten seines Großvaters von 1870 feierte, Welche Wendung durch Gottes Fügung. Das, obwohl sein eigener Enkel Prinz Wilhelm wenige Monate zuvor als Soldat Hitlers beim Überfall auf Polen gefallen war. Als Wilhelm II. 1941 in Doorn starb, ordnete Hitler ihm ein Begräbnis mit vollen militärischen Ehren an, trotz seiner formalen Distanz zur NSDAP. Das Bild vom hackenden, entenfütternden alten Herrn im Park, das in Videos aus jener Zeit kursiert, zeigt einen Mann, der nach Millionen Kriegstoten, einer zerstörten Wirtschaft und einer zerrütteten Republik in Deutschland ein bequemes, unbehelligtes Leben führte und bis zum Schluss keine Distanz zum nächsten deutschen Verbrechensregime fand. Quellen:  John C.G. Röhl, Wilhelm II. (C.H. Beck Wissen); Giles MacDonough, The Last Kaiser: William the Impetuous; Sigurd von Ilsemann, Der Kaiser in Holland (Tagebücher); Museum Huis Doorn #Reichsbürger #Desinformation #Aufklärung #Debunking #Faktencheck
Wilhelm II. dankte am 9. November 1918 als deutscher Kaiser und König von Preußen ab und floh noch am selben Tag über die Grenze in die neutralen Niederlande. Die Königin Wilhelmina gewährte ihm Asyl, obwohl mehrere Siegermächte seine Auslieferung und einen Prozess wegen des Kriegs forderten. Anderthalb Jahre später kaufte er das Landhaus Huis Doorn bei Utrecht und lebte dort bis zu seinem Tod 1941, mit einem großen Hofstaat, seinem gesamten Vermögen und einem Großteil seiner Uniformen und Orden, die er beim Abdanken mitnehmen durfte. Sein Alltag in Doorn bestand aus Ritualen, die ihm den Ruf eines liebenswerten alten Herrn einbrachten. Er hackte fast täglich Holz, eine Beschäftigung, die er zur regelrechten Obsession machte. Sein Adjutant Sigurd von Ilsemann protokollierte über zwanzig Jahre lang genau, wie viele Stämme der Ex-Kaiser gefällt und gesägt hatte, weil Wilhelm ständig versuchte, seinen eigenen Rekord zu brechen. Das geschlagene Holz verteilte er an die Dorfbevölkerung und finanzierte Armenspeisungen, wodurch er sich in Doorn tatsächlich Sympathien erarbeitete. Dazu kamen Spaziergänge mit seiner zweiten Frau Hermine, das Füttern der Enten im Schlossgraben und das Sammeln von Wetterdaten. Ein beschauliches, sorgenfreies Leben eines wohlhabenden Privatiers. Während Wilhelm in seinem Park Enten fütterte, sah die Realität in Deutschland vollkommen anders aus. Rund zwei Millionen deutsche Soldaten waren im von ihm mitzuverantwortenden Krieg gefallen, hinzu kamen hunderttausende Kriegswitwen und Waisen. Der Versailler Vertrag verpflichtete das Land zu Reparationszahlungen, die die junge Weimarer Republik von Beginn an lähmten. 1923 vernichtete die Hyperinflation die Ersparnisse fast der gesamten deutschen Mittelschicht, während der Ex-Kaiser in Doorn wohlhabend blieb, umgeben von Personal, das ihn weiterhin mit Majestät ansprach und sich vor ihm verneigte. Wilhelm selbst zeigte in dieser Zeit keinerlei Bereitschaft, Verantwortung für den Krieg zu übernehmen, sondern pflegte in seinen Aufzeichnungen aus dem Exil ein Bild, in dem andere an seiner Niederlage schuld waren. Politisch blieb er auch im Exil nicht inaktiv. Über seine Frau Hermine, eine überzeugte Anhängerin des Nationalsozialismus, suchte er noch vor 1933 Kontakt zu den Nazis, in der Hoffnung auf eine Wiedereinsetzung der Monarchie mit sich selbst als Kaiser. Hermann Göring besuchte Doorn 1931 und erneut 1932, und die Hohenzollernfamilie erhielt später eine erhebliche jährliche Zuwendung des NS-Regimes, im Gegenzug für die Zusage, öffentliche Kritik an Hitler zu unterlassen. Als deutsche Truppen 1940 die Niederlande besetzten, bot ihm Winston Churchill Asyl in Großbritannien an. Wilhelm lehnte ab, er wolle lieber in Holland erschossen werden als nach England zu fliehen. Als kurz darauf Frankreich kapitulierte, gehörte er zu den Ersten, die Hitler gratulierten, mit einem Telegramm aus Doorn, in dem er den von Gott geschenkten gewaltigen Sieg mit den Worten seines Großvaters von 1870 feierte, Welche Wendung durch Gottes Fügung. Das, obwohl sein eigener Enkel Prinz Wilhelm wenige Monate zuvor als Soldat Hitlers beim Überfall auf Polen gefallen war. Als Wilhelm II. 1941 in Doorn starb, ordnete Hitler ihm ein Begräbnis mit vollen militärischen Ehren an, trotz seiner formalen Distanz zur NSDAP. Das Bild vom hackenden, entenfütternden alten Herrn im Park, das in Videos aus jener Zeit kursiert, zeigt einen Mann, der nach Millionen Kriegstoten, einer zerstörten Wirtschaft und einer zerrütteten Republik in Deutschland ein bequemes, unbehelligtes Leben führte und bis zum Schluss keine Distanz zum nächsten deutschen Verbrechensregime fand. Quellen: John C.G. Röhl, Wilhelm II. (C.H. Beck Wissen); Giles MacDonough, The Last Kaiser: William the Impetuous; Sigurd von Ilsemann, Der Kaiser in Holland (Tagebücher); Museum Huis Doorn #Reichsbürger #Desinformation #Aufklärung #Debunking #Faktencheck

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