Vera Italia - Mauro Ditaranto :
Im Deutschen haben wir zum Beispiel aus dem Arabischen Admiral und über mehrere Zwischenstufen Kaffee, aus dem Türkischen Joghurt und Kiosk, aus dem Russischen Wodka, Steppe, Sputnik, aus dem Englischen Computer und zahllose weitere moderne Begriffe und aus dem Hindi etwa Bungalow und Shampoo. Das ist alles etymologisch problemlos belegbar.
Und jetzt wird es besonders lustig: Schau dir einmal das heutige Griechisch an. Das offizielle Centre for the Greek Language bezeichnet türkische Lehnwörter wegen der jahrhundertelangen osmanischen Herrschaft ausdrücklich als zahlreich.
Bis heute gebräuchlich sind beispielsweise μεράκι – meráki, ντέρτι – dérti, καβγάς – kavgas, παζάρι – pazari, außerdem κεφτές (Köfte), ντολμάς/ντολμαδάκια (Dolma), καϊμάκι (Kaymak), μπακλαβάς (Baklava), μαχαλάς (Mahalle), μεζές (Meze), τενεκές (Teneke) oder ναργιλές (Nargile). Einige dieser Wörter haben wiederum arabische oder persische Wurzeln und gelangten über das Osmanisch-Türkische ins Griechische.
Das macht die griechische Sprache keinen Millimeter weniger bedeutend. Im Gegenteil: So funktionieren Sprachen und Kulturen. Sie beeinflussen einander.
Der Begriff „Gräzismus“ beweist daher nur, dass das Deutsche Wörter aus dem Griechischen übernommen hat – genauso wie es Arabismen, Turkismen, Russismen, Anglizismen und Indianismen gibt.
Und niemand bestreitet den gewaltigen Beitrag der Griechen zu Philosophie, Wissenschaft und Kultur. Aber „ohne Griechen keine Römer, keine Mathematik, keine Medizin, keine Astronomie und praktisch kein Europa“ ist keine nüchterne Geschichtsschreibung mehr. Auch die Griechen übernahmen Wissen und Einflüsse von Phöniziern, Ägyptern, Mesopotamiern und anderen Kulturen und entwickelten sie großartig weiter.
Genau das ist Geschichte: übernehmen, weiterentwickeln und weitergeben – und das gilt für Griechen genauso wie für Römer und alle anderen. 😉
2026-09-18 05:24:33